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MINGEI   

Mingei – Japanische Volkskunst


Der von Yanagi Sōetsu 1925 eingeführte Begriff „Mingei“ ist im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer fest in der japanischen Kultur- und Kunstgeschichte verankerten Größe geworden. Die Mingei-Bewegung, welche maßgeblich 1926 durch die Gründung der Nihon mingei kyōkai durch Yanagi Sōetsu (1889-1961), Hamada Shōji (1894-1978) und Kawai Kanjirō (1890-1966) ins Leben gerufen wurde, hat ihren Vorläufer in der britischen Arts-and-Craft-Bewegung des 19. Jahrhunderts und bezieht sich wie diese auf Gebrauchsgegenstände des alltäglichen Lebens. Das primäre Ziel beider Bewegungen ist, die Erhaltung von traditionellen Herstellungstechniken, Formen und Dekoren im Zeitalter der Industrialisierung zu gewährleisten und die Schönheit der einfachen Dinge einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts kannte die japanische Kultur keinen Unterschied zwischen Kunst (bijutsu) und Kunsthandwerk (geijutsu); ein Maler oder Holzschnittmeister wurde ebenso als Handwerker betrachtet, wie ein Töpfer oder Truhenhersteller. Diesem Umstand ist es zu verdanken, daß die Übergänge zwischen teuren Waren für die Aristokratie und Alltagsutensilien fließend gewesen sind. Sowie Form und Inhalt viele Gemeinsamkeiten aufweisen, sind auch die Qualitätsmaßstäbe für beide Bereiche gleich anzusetzen. Mingei-Objekte unterscheiden sich jedoch insofern, als das sie zumeist von anonymen Handwerkern oder Privatpersonen hergestellt wurden, deren oberste Priorität die Funktionalität der Gegenstände gewesen ist. Der ästhetische Anspruch japanischer Volkskunst ist tief in der Vorliebe für natürliche Materialien verwurzelt, deren Eigenschaften, wie Farbe, Textur oder Maserung, im Herstellungsprozess ausgeschöpft und noch betont wurden. Formen und Motive sind häufig der Natur entlehnt und werden in vereinfachter, stilisierter jedoch immer harmonischer Art und Weise umgesetzt.


Besonders aus der Tokugawa-Zeit (1603-1868) sind viele Mingei-Objekte erhalten geblieben und ermöglichen einen umfassenden Einblick in die ästhetische Gestaltung des alltäglichen Umfelds der einfachen Bevölkerung. Bedingt durch eine 250 Jahre anhaltende Periode des Friedens, entwickelte sich gerade für die Landbevölkerung nach Jahrhunderte langen Bürgerkriegen erstmals ein Alltagsablauf, in dem genügend Freizeit und Muße zur Verfügung stand, um sich mit der ästhetisch ambitionierten Ausführung von Gebrauchsgegenständen für den eigenen Haushalt zu beschäftigen. Neben Keramiken aus den sechs alten Öfen (Echizen, Shigaraki, Seto, Bizen, Tanba und Tokoname) und anderen Produktionsstätten, lassen sich daher vor allem auch Textilien und Gegenstände unterschiedlichster Art aus Holz, Bambus, Lack oder Metall finden, die nicht aus der Herstellung einer Werkstatt stammen.


Der Bearbeitung von Textilien kam von jeher eine große Bedeutung zu. Kimono mit gewebten, gefärbten oder gestickten Mustern wurden überall in Japan hergestellt, und bestechen heute noch durch das subtile Zusammenspiel von Farbe, Muster und Materialbeschaffenheit. Die auf dem Land verbreiteten Stoffe wurden nicht nur zu Kleidungsstücken verarbeitet, sondern auch zu Bettlaken, Decken, Fahnen, Kissenbezügen und ähnlichen Dingen, die häufig in einer Weise verziert wurden, die dem Gegenstand und seiner Verwendung kaum angemessen war.


Herausragend unter den Holzarbeiten sind die feinen Schnitzereien, welche sich auf eine ganze Bandbreite verschiedener Objekte erstrecken und auch in unserer kommenden Online-Auktion eine der größten Gruppen ausmachen. Während sich kleine, Okimono (Dinge zum Stellen) genannte, Holzskulpturen direkt als Dekorationsobjekte erschließen, lässt die feinfühlige Handhabung des Materials auch einfache Hilfsmittel oder Werkzeuge zu dekorativen Objekten mit Symbolgehalt werden. So haben Jizaikagi, hölzerne Haken bzw. Gewichte mit deren Hilfe die Höhe von Töpfen oder Eisenkannen (Tetsubin) über der Feuerstelle verändert werden konnte, daher gerne die Form eines Fisches oder wurden als Hammer des Gottes Daikoku gestaltet, der als Hausgott gemeinsam mit Ebisu Gesundheit und Familienglück garantieren sollte und in keiner Küche fehlen durfte. Die künstlerische Bearbeitung des Jizaikagi unterstreicht zudem seine immens wichtige Bedeutung, denn an ihm hing der Topf mit der täglichen Mahlzeit.


Die traditionelle Inneneinrichtung japanischer Häuser kennt nur wenig Mobiliar, um so mehr Wert wurde darauf gelegt, daß die einzelnen Stücke sich mit einer unaufdringlichen doch elaborierten Ästhetik in den durch natürliche Materialien geprägten Raum einfügen. Bei den tansu genannten Truhen wurde dies durch die Betonung der verwendeten Holzarten und der Verwendung kunstvoll gearbeiteter Metallbeschläge erreicht. Tabletts, Armlehnen, Kerzenständer und anderes Utensil bestechen durch schlichte Formgebung in Verbindung mit einer besonders fein geschmirgelten Oberfläche, welche die Maserung des Holzes zur vollen Geltung bringt und durch eine über lange Jahre entstandene Gebrauchspatina an Schönheit gewinnt. Auch der Raum selbst wurde mit durchbrochen gearbeiteten Schnitzpaneelen (ranma), die zum Zweck der Luftzirkulation und eines erhöhten Lichteinfalls zwischen Schiebetüren und Decke eingesetzt wurden, visuell dekorativ aufgewertet.


Wie im No-Theater, wurden auch für ländliche Theateraufführungen Masken verwendet, um spezielle Charaktere darzustellen. Im Gegensatz zu den feinen Masken des No, zeichnen sich die volkstümlichen Masken jedoch durch einen derberen Zug aus. So erzeugen zum Beispiel bewußt sichtbar gelassene Messerkerben Lebendigkeit und Struktur, welche sich auch in der Haptik bemerkbar macht.


Der Volkskunst zugeordnete Keramiken wirken zumeist allein durch den jeweils verwendeten Ton und die spezifischen Glasur- und Brennmethoden, die, vom Töpfer unbeabsichtigt, unnachahmliche Farbmuster entstehen lassen. Der Natur entlehnte, reduzierte Dekore wurden zurückhaltend eingesetzt und übertönen nie die Wirkung des Materials selbst. In Schönheit und Anspruch entspricht die Gebrauchskeramik, welche auf jedem städtischen Markt für wenig Geld zu haben war, jedoch der teuren Keramik für die Aristokratie. Die leichte Asymmetrie und Unvollkommenheit der Utensilien entspricht dem durch wabi (geschmackvolle Einfachheit) und sabi (Patina) geprägten japanischen Sinn für Ästhetik und ließ die Gebrauchskeramik schnell zum Ideal der innerhalb der Teezeremonie verwendeten Gefäße werden. Hierbei zeigt sich, daß in Bezug auf Stil und Geschmack in Japan kein großer Unterschied zwischen den oberen und unteren Gesellschaftsschichten bestand, sondern vielmehr ein gegenseitiger Einfluß das allgemeine ästhetische Empfinden über Jahrhunderte verfeinerte.


In der Volkskunst des 20. Jahrhunderts hat sich unter dem Einfluß von Yanagi Sōetsu ein Schwerpunkt im Bereich der Keramik herausgebildet. Im Gegensatz zu der anonym hergestellten Gebrauchskeramik früherer Jahrhunderte, sind die zeitgenössischen Keramiken jedoch meistens Produkte von namentlich bekannten Studiotöpfern, so daß die Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk hier verschwimmen. Nichts desto trotz bleibt auch bei diesen Objekten eine tiefe Verbundenheit mit den traditionellen Werten der japanischen Volkskunst als Quelle der Inspiration visuell und haptisch erfahrbar.


Literatur:


HAMILTON WEEDER, Erica (1992): Japanese Folk Art: A Triumph of Simplicity. New York: Japan Society, Inc.


MINGEI. Japanische Volkskunst Sammlung Montgomery (1991). Ausst.-Kat. Darmstadt: Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe.


MINGEI. The Living Tradition in Japanese Arts (1991). Ausst.-Kat. Glasgow / Sunderland / London: Kodansha International.


MOES, Robert (1985): Mingei. Japanese Folk Art. The Brooklyn Museum, New York: Universe Books.


MUNSTERBERG, Hugo (1965): Mingei: Folk Arts of Old Japan. New York: The Asia Society, Inc.


SŌETSU, Yanagi (1999; 1972): Die Schönheit der einfachen Dinge. Mingei – Japanische Einsichten in die verborgenen Kräfte der Harmonie. Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag.


last updated by mh! at 18.03.2009 13:58

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